Le donne di Mucha - Kunstwertige Werbung von sinnlicher Schönheit
- Hilda Steinkamp

- 14. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Nov. 2025
Alphonse Muchas monumentale Ausstellung im Palazzo Bonaparte Roma
Trionfo di bellezza e seduzione
Inspiriert von Sandro Botticellis Renaissance-Venus thematisiert 400 Jahre und etliche Malstile später auch Alphonse Mucha "Schönheit und Verführung" in seiner Kunst im Jugendstil.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert mit seiner wachsenden Wirtschaftskraft durch eine rege industrielle Produktion erschafft Mucha die Frau als Protagonistin und Werbeträgerin in seinen Reklame-Postern. Das stille klassische Ideal weiblicher Schönheit übersetzt er zeitgemäß in augenfällige sinnliche Anziehungskraft. Den Frauen verleiht er dazu fesselnde Augen-Blicke.
Nicht minder verführerisch wirken Schlafzimmerblick und gesenkte Augenlider in gespielter Keuschheit:
Die Blicke von Muchas Frauen verfehlen ihre Wirkung nicht. Männer wie Frauen unserer InterNations-Gruppe fühlen sich wie magisch angezogen und posen:
Die Sinnlichkeit der donne di Mucha hat schon vor über 125 Jahren Menschen verführt: zum Kauf von Waren wie Schokoladenpulver, Milchpulver von Nestlé, Pralinen und Biskuits von Lefèvre-Utile, Parfum Rodo, Seife / Savon Mucha, Zigarettenschachteln von JOB, Bier von der Maas, Sekt von Moët & Chandon. Konsumgüter wie diese werden im Kaufhaus Paris-France angeboten. 1898 gegründet, ziehen sich bald 70 Filialen durch ganz Frankreich.

Reklame macht Muchas Druckgrafik auch in eigener Sache mit aufreizender Werbung für die Printproduktion der Druckerei Cassan Fils.
Die erotische Spannung zwischen der spärlich bekleideten Dame im lockeren Gespräch mit dem robusten Industriearbeiter in der Druckerei wird rundum beäugt von Augenpaaren - voyeuristischen Kunden, die von der innovativen Posterkunst profitieren können. Mit der Erfindung der Farblithographie in den 1890er-Jahre gelten Holzschnitte, Stiche und Radierungen als überholte Techniken. Die Massenproduktion zieht in die bildende Kunst ein.
Auch für Großveranstaltungen wie Theater-Aufführungen, Monte Carlo Autorennen und die Weltausstellung 1900 in Paris werben Muchas Plakate.
Ebenso für die Salonkultur Pariser Künstler:

Kommerzielle Laufbahn eines Plakatkünstlers
Muchas kolorierte Handzeichnungen gehen in den seriellen Druck. Seine Seriegrafien erfreuen Kaufleute und Kunden, Kunstliebende auf und vor der Bühne, werden Kunstwerke von hohem Sammlerwert und sind begehrt bei Zeitungen und Zeitschriften zur Steigerung der Auflagen.
In seinen 20 Jahren als Plakatkünstler in Paris produziert Mucha etwa 120 Werbeposter, alle in seinem typisch schmalen, vertikalen Format, dazu Menükarten, Jahreszeitenallegorien, Personifikationen von Künsten (s. Fotos) und Tugenden, Astrologie und Tierkreis. Seine 134 farbigen Buchillustrationen in der französischen Märchenerzählung Ilsèe erhalten durch Übersetzung des Werks in europäische Sprachen enorme Verbreitung.

Mit seinen Werbepostern macht Mucha den ästhetischen Jungendstil zum Bestandteil des täglichen Lebens. Dies entspricht ganz seinem Credo, Bilder für Menschen zu schaffen, nicht um der Kunst willen.
Schon 1897 gilt Muchas Plakatkunst als das bedeutendste Art-Nouveau-Illustrationswerk, ein erster Höhepunkt des Jugendstils, so sagen Kunstverständige im Rückblick. Alphonse Mucha, weltweit gefeierter Plakatkünstler der Belle Èpoque, Vorzeige-Repräsentant der künstlerischen Avantgard zum Fin de siècle! Das lässt sich die französische Nation Ehrentitel kosten: Ritter (1901) und Offizier der französischen Ehrenlegion (1934).

1904 bis 1906 folgen Lehraufträge an Akademien für bildende Künste in New York, Philadelphia und Chicago, sie tragen Muchas Ruf auch in die Neue Welt. Die New York Times unterstützt seine Bekanntheit mit massenmedialen Auflagen seiner kunstvollen Plakate.

Die US-amerikanische Filmindustrie bringt den "Größten Dekorkünstler der Welt" auf die Kinoleinwand und so einem Massenpublikum nahe.
Sogar in den Weltraum schafft es Mucha. Postmortem. Ein 1989 entdeckter Asteroid trägt zehn Jahre später seinen Namen.
Wie kommt ein bescheidener Bühnenmaler und Buchillustrator aus Mähren (damals in Österreich-Ungarn, heute in der Tschechischen Republik) mit seiner frühkindlichen zeichnerischen Begabung schon in jungen Jahren zu dieser steilen Künstlerkarriere und kommerziellen Laufbahn? Mit Buchillustrationen allein hätte er das nie geschafft. Schon gar nicht in seiner vom Puls der Zeit entfernten Heimat. Heute sorgen Social Media für Verbreitung und Bekanntheit - von Personen, Produkten, Phantasien.
Was oder wer hat Mucha ursprünglich promotet? Glück und Gunst. Einer Frau.
La divina Sarah

Bereits ein Weltstar auf der Pariser Bühne im späten 19. Jahrhundert soll Sarah Bernhardt (1844-1923) durch Muchas Plakatkunst zur bleibenden Ikone werden. Das ahnen aber weder sie noch er, als die Bühnen-Schauspielerin 1894 einen neuen Illustrator braucht, der ein Werbeplakat für ihr Bühnenstück Gismonda herstellen soll. Die Zeit bis zur Aufführung drängt. Sie sucht, er ist da, sie nimmt ihn. Probeweise. Einen Autodidakten ohne Referenzen, der Bücher illustriert und Räume in Herrschaftshäusern seiner Heimat dekoriert hat. Und am Montmatre den Anschluss an Künstlerkreise anstrebt.

Muchas Plakat ist in nur zwei Wochen entworfen und gedruckt. Und verbreitet sich rasant in ganz Paris, der Metropole für Kunst und Kultur, die als Katalysator Muchas Werke in der westlichen Welt bekannt macht. Erfolg zahlt sich aus. Mucha erhält von der Bühnendiva einen 6-Jahres-Vertrag (1895-1901).
Weitere sechs Theaterplakate für Bernhardts Bühnenauftritte folgen.

In dieser Schaffensphase zeichnet und koloriert Mucha weiter, entwirft Bühnenbilder, Theaterkostüme und Schmuck für die Diva und macht sich einen Namen als Designer und Art Director an Sarahs Bühne.

Zurück zu den Wurzeln - geografisch wie artistisch

Schon vor dem 1. Weltkrieg zieht es Mucha nach Prag. Dort verwirklicht er ein Herzensprojekt (1911-1928): sein Slawisches Epos, ein Zyklus von 20 großformatigen Gemälden, die die Errungenschaften des slawischen Volkes preisen, ein Geschenk des Künstlers an die Stadt Prag.

Schon seine Pariser Plakate tragen neben Motiven aus japanischer, islamischer und griechischer Ornamentik slawische Züge: botanische Elemente, Aureolen und Stickerei in den Gewändern seiner Frauenfiguren. Im Paris der Jahrhundertwende löste Mucha damit eine Welle slawischer Sympathien aus und bescherte den Damen eine Moderichtung.
Seinen unverwechselbaren slawischen Stil setzt Mucha in Prag als Maler fort. Selbst die Banknoten des jungen Staates Tschechoslowakei ziert seine slawisches Design.
Letztlich macht ihn seine slawische Gesinnung 1939 zum Feind der deutschen Besatzer. Nach kurzer Internierung stirbt Mucha fast 80-jährig (1860-1939), ein wohlhabender Schlossherr nördlich von Prag.
Muchas Kunst hautnah

Ein halbes Jahr lang lässt der Palazzo Bonaparte in Rom in der Ausstellung "Un Trionfo di Bellezza e Seduzione" Alphonse Muchas dekorative Kunst an den Wänden und in Lichtinstallationen vor unseren Augen lebendig werden. It's a first: Eine Monumental-Schau von150 Exponaten Muchas und weiteren Beiträgen von Künstlern seiner Zeit in der Belle Èpoque. Botticellis Venus als Leihgabe aus Turins Musei Reali ist ein echter Höhepunkt. Nur das Museum Mucha in Prag kann da mithalten.

Vor der Dauerbaustelle der Metropolitana, Linea C, auf der Piazza Venezia strömen die Besucher ins Museum,

vorbei am livrierten Empfangsherrn in einen abgedunkelten Projektionsraum mit der ersten Lichtinstallation: antiker Heroe in seiner naturhaften Bloßheit von Muchas Blumenmeer dezent umhüllt.

Muchas Plakatwelt hält uns lange gefangen. Botticellis Venus auch.
Wir steigen hoch in die 2. Etage, vorbei an Exponaten von Muchas Zeitgenossen - Gemälden, Möbeln, Haus- und Zierrat
zum visuellen Olymp der Mucha-Ausstellung: einer Lichtinstallation in verspiegelten Räumen. Besucher tauchen ein in Muchas beweglichen und bewegenden Kunstkosmos.
Für einen Moment der sinnlichen Umgarnung durch seine Farben und Formen kann ich die Attraktion seiner Ikonen im Paris des Fin de siècle verspüren.
Kein InterNations Event ohne geselligen Ausklang:
















































































































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