"Ich war eine ziemlich erfolglose Schauspielerin und polarisiere jetzt - mit Kunst!"
- Hilda Steinkamp

- 11. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Nov. 2025
Alexandra Kordas auf alternativen Wegen zur römischen Galeria "Il Collezionista"
Alexandra Kordas zwischen Tod und Leben
"Wie die Jungfrau ans Kind - so bin ich zur Kunst gekommen!"
Mit diesem Understatement fängt mein Gespräch mit Alexandra Kordas in Rom an. Sie stellt fünf ihrer großformatigen Acryl-Gemälde auf Leinwand in der kleinen Galleria "Il Collezionista" aus. An diesem spätsommerlich warmen Novembertag ist Vernissage.

Fast bescheiden fügt sich die Galerie zwischen unspektakulären Häusern mit bröckelnden Fassaden in der schmalen Via Rasella im Centro ein, unweit der belebten Piazza Barberini

und der Glanzzeile Via Veneto:
Die Straße - ein historischer Ort, 1944 unrühmlicher Schauplatz blutigen Widerstands gegen die deutschen Besatzer, mit brutalem Vergeltungsschlag der Wehrmacht am Stadtrand. Die Galerie - ein auch international renommierter Ort für den Kontakt zwischen Kunstschaffenden und Kunstliebhabenden.
Zufällig zur Kunst gekommen? Nicht ganz. Die Münchner Künstlerin hat durchaus eine inspirierende Reise hinter sich: 10 Jahre Waldorfschule prägen ihre Sensibilität für den kreativen Umgang mit Farben, Formen und Materialien. Erlebnisse in Kindheit, Berufsfindung und alleinerziehender Mutterschaft liefern ihr den Stoff für ihren künstlerischen Gestaltungswillen: in der barocken Spannweite zwischen Schmerz und Freude, überbordender Lebenslust und demütiger Todesgewissheit.

Dott.ssa Elena Gradini spricht in ihrer kunstverständigen Einführung von"tre principi fundamentali della produzione artistica", von drei Gestaltungselementen: "materia, forma e idea".
Ein Kind, Alexandras Sohn (heute 18), ist 2018 Geburtshelfer für ihre Schaffensphase. Seine Krankheit fesselt die Mutter ans Haus.
"Mir fiel die Decke auf den Kopf. Noch vor Corona, da kannte man das nicht, dass man wochenlang zu Hause sitzt." "Intuitiv hab ich mir 'ne Leinwand und Farben gekauft ..."
"... und das erste Bild gemalt. Das verkaufte sich sogar. Und ich hab' gedacht: Oh, was passiert denn da? Und habe weitergemalt, wirklich nur für mich."Elena Gradini weiß dazu: "Kunst, als Therapie verstanden, vermittelt mit Farbe und Rhythmik der Formen und Bilder ein psychisch-physisches Wohlgefühl." Für Künstlerin und Betrachter gleichermaßen.
Aber Kunst sucht die Öffentlichkeit, will ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs leisten. Gesprächsstoff liefern Alexandra Kordas' Bilder schnell, im Freundeskreis und in der allbekannten Polarität zwischen Akzeptanz ("Boah, ist das toll!") und Ablehnung ("So viel Tod und Kreuz, das wollen wir uns gar nicht erst anschauen.").
"Das Kreuz ist für mich nichts Religiöses"
Es zieht sich durch das malerische Opus der Künstlerin, nicht als Bekenntnis zur christlichen Religion, sondern als Symbol für Leid, Schande, Schändung, Schädigung - Verletzungen, die der Menschen dem Menschen zufügt. Aber auch als Zeichen für Hoffnung und Heilung.
"Ich habe mit meinen Methoden nur meinen Schmerz verarbeitet." Besonders in ihrer Frühphase gehören daher Kreuze, Knochen und Schädel zu Kordas' künstlerischen Handschrift.
"Meine Kunst will aufklären"
Inzwischen habe sie diese dunkle Phase ihrer Ausdrucksmöglichkeiten überwunden und sich mehr der Freude und Helligkeit zugewandt. Gleichwohl ist ihre Kunst kein Selbstzweck, keine L'art-pour-l'art-Beschäftigung. Alexandra Kordas richtet weiterhin ihr Auge auf die Schadstellen auf unserem Globus und entwirft ihre Bilder als Blicklenkung für ihre Betrachter. Kardas Art will Menschen aufrütteln, sie widerständig machen gegen Krieg, Missbrauch von Kindern, Gewalt gegen Frauen, gesellschaftliches Unrecht. Komplementär entstehen artistische Projektionen von Freude am Leben und Hoffnung auf Erlösung.
Ihre künstlerische Entwicklungsreise fängt der Ausstellungskatalog mit dem treffenden Titel From Darkness to Light ein:
La Pace Conta - Der Frieden zählt

Der Ausstellungstitel ist Alexandras Bekenntnis zur Lichtseite des Lebens - die allerdings erkämpft werden muss.
Und so umspannen ihre Galerie-Exponate eine wechselvolle Rhythmik von Frieden (2018) und The Pain (Schmerz, 2019) über The Big Bang (Urknall, 2023) zu Recurrection (Auferstehung, 2023) und Damnation (Verdammung, 2024).
Auch das jüngste Gemälde Damnation ist kein thematisches Schlusslicht auf Alexandra Kordas' künstlerischer Lebensspur. Zu hell die Lichtblicke in der Farbkomposition dieses düsteren Bildes, zu stark ihr Schaffensdrang, zu fröhlich ihr Bekenntnis zum Leben trotz all seiner Schattenseiten.
Ihre 2025er-Ausstellung in Madrid unter dem Titel Disruptive Harmony schäumt über von Lebensenergie trotz schmerzhafter Störelemente und der Notwendigkeit revolutionärer Veränderung. Hier arbeitet die Künstlerin im wandgroßen Format:


"In der Malerei kann ich authentisch sein"
"Da muss ich mich nicht verbiegen. Wie im Schauspiel. Da musste ich Rollen spielen."Über Schauspiel und Scriptwriting findet Alexandra ihren alternativen Weg zur Malerei. Nicht immer erfährt sie am Anfang gesellschaftliche Anerkennung.

"In München hatte ich eine Ausstellung selbst organisiert, und sie lief super. Da waren echt viele Leute, die interessiert waren. Sie haben mich gefragt, wo ich denn studiert hätte. Ich hab' gesagt: 'Ich bin Autodidaktin.' 'Ok, Wiedersehen!', war die Antwort. So ist das gelaufen in München.""Eine Freundin von mir malt so, damit sie verkaufen kann - für die publicity. Das ist mir wurscht!"Elena Gradini lobt ihren "freien Malstil, ungebunden von Zwängen und Beschränkungen", der den Betrachter "in die Tiefen der Seele" blicken lässt.
Mit Selbstvertrauen, Ideenreichtum und harter Arbeit verschafft sich die Künstlerin Zugang zu einem größeren Publikumskreis.
"Ich muss mich natürlich anstrengen, aber verbiegen muss ich mich nicht." Mit Freundeshilfe beim Design einer Webseite wird sie auch international bekannt. Galleria "Il Collezionista" und Künstlerin entdecken einander auf Instagram.

"In der Kunst hatte ich erst überhaupt keine Kontakte"
"Aber sobald oder bevor ich an der Tür war, stand sie schon offen." Alexandras Aufnahme in die Kunstwelt war vorbehaltlos. Im Ausland eher als in Deutschland. Keine Referenzen, keine Studien- oder Lehrjahre bei Künstlern von Ruf waren für sie Barrieren auf dem heimischen Kunstmarkt.
"In München schauen sie nur nach dem Status. Da ist es so etabliert. Das hört sich jetzt so plakativ an. Ich liebe München, das ist meine Stadt, aber kunstmäßig eher nicht."
Ironie eines Künstler-Schicksals: Die Kordas Oktoberfest Editionen werden in Galerien in Madrid und Buenos Aires hoch geschätzt und gehandelt. Die Künstlerin wohnt zudem mit Blick auf die Münchner Wies'n.
Offene Türen in der internationalen Kunstszene hat Alexandra laufend vorgefunden. Allein in diesem Jahr waren ihre Ausstellungen Publikumsmagneten in Venezia, La Paz, Madrid und Medinaceli (Spanien).
Trotzdem ist Rom fast schon künstlerische Heimat geworden.
Zum zweiten Mal dieses Jahr öffnet die Galleria ihre Tür für Alexandra.
Dott.ssa Elena Gradini sorgt für das Kunstverständnis. Galerist Dott. Gabriele Giuliani bringt Künstlerin, Kunstwerke und Kunstliebhaber zusammen und macht so nebenbei noch das Catering.
Meine InterNations Familie und andere Gäste sind ein aufgewecktes Publikum und lassen sich lebhaft auf Kunst und Künstlerin ein. In den Gemälden suchen wir nach dem Narrativ, von dem die Kunstkritikerin spricht, wenn Alexandra ihre Ideen über den Pinselstrich in Materie und Form einfließen lässt und ikonische Geschichten erzählt.
Grazie, gentili critica e storica d'arte & galerista
a "IL Collezionista",
per un gioello di mostra
&
arrivederci, Alexandra Kordas,
alla Biennale Arte
di Venezia
nel 2026!














































































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