Feine Fotokunst im Fitnessraum der Villa Aurelia
- Hilda Steinkamp

- 27. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Nov. 2025
Marco Suriani lässt Landschaften neben der Isomatte leuchten

Arte e Pilates

Im trüben späten November, noch ohne stimmungsvollen Vorweihnachts-Glamour, muntert der Villa Aurelia Sporting Club Roma müde Muskelmenschen auf. Mit einem Spezial-Event.
Es soll am Montag, dem 24.11.2025, ausnahmsweise eine Pilates-Sitzung geben statt der üblichen Ginnastica Dolce, mit der Domenico den Herzschlag unserer Frauen- und Männergruppe Ü50/60 montagsvormittags sanft und über 60 Minuten anhaltend auf Touren bringt. Er kommt heute im Tandem mit Federica, Pilates-Trainerin der Villa Aurelia und Mutmacherin für 90 Minuten Stretching & Balancing & Strenghtening auf der Matte.

Ein Catering-Team hat derweil ein Kuchenbüffet für die süße Belohnung aufgebaut. Und die kahlen Wände mit außergewöhnlichen DIN-A4-Fotografien bestückt.
Denn der Stargast ist heute Marco Suriani

Geborener Römer auf Globetrotter-Kurs. Auch er gehört zum jungen Villa-Aurelia-Team, ist verantwortlich für den Badebereich. Das ist sein Brotberuf. Doch seine Berufung liegt in der Fotografie. Im Selbststudium lernt er Kameratechniken kennen und beherrschen. Der Blick fürs besondere Foto kommt mit der Praxis. Fotografieren heißt für Marco mehr als Kameraeinstellungen wählen und auf den Auslöser drücken. Er will ungewöhnliche Visionen von unserem Erdball vermitteln, uns ins Staunen darüber versetzen, dass seine Landschaften, so surreal schön sie auf ihn und uns wirken mögen, doch Teil unseres irdischen Lebensraums sind. Man muss das Schöne nur sehen. Und das kann er. Marcos Fotografien führen uns die unentdeckten Schönheiten dieser Erde sinnfällig vor Augen. Er selbst versteht seine künstlerische Mission als fortgesetzten Lehrgang, life-long learning. Und als ausgefeiltes Kunsthandwerk. "No AI" steht ausdrücklich unter seinen Arbeiten auf Instagram.
Auf einen Parcours der Sonderklasse

begeben sich die Sportlerinnen und Sportler in der Villa Aurelia, kaum dass der Pilateskurs zu Ende ist. Anstrengung vor dem Vergnügen! Rund drei Dutzend seiner Landschaftsfotos der letzten Jahre zeichnen Marco Surianis Entdeckungsreisen mit der Kamera rund um den Globus nach: von Bolivien und Chile weiter zu Namibia und über Äthiopien und Ägypten zu Usbekistan und Grönland.
Im Visier seiner Kamera
hat der Fotograf Wasser und Wüsten, zwei Naturgewalten, deren Umgang er mit professioneller Führung meistert.

Usbekistan, Zentralasien, Salzwüste Zyzylkum. "Un deserto particolarissimo", ist Marcos Wertschätzung. Hier wächst allerlei Buschwerk. Und auf dem Sand verrotten "relitti di navi", Schiffswracks. Denn diese Wüste gab es nicht immer. Bis ins frühe 20. Jahrhundert lag hier der Aralsee, ein Binnensee mit Süßwasser, der viertgrößte der Welt. Jetzt ist er zu 90% ausgetrocknet. Oh je - der Klimawandel? Erderwärmung? Immerhin punktet Usbekistan im kontinentalen Sommer mit 40 heißen Graden, Tendenz steigend.

"No", wendet Marco ein, "purtroppo è azione dell'uomo!" Also menschgemacht, bedauerlicherweise. Raubbau an natürlichen Ressourcen. In der Sowjetära des Landes (ab 1925) wurden die Zuflüsse Amudarya und Syrdarya genutzt, um den extensiv betriebenen Baumwollanbau zu bewässern. Gigantomanie unter Stalin. Der See trocknete aus. Auch nach der Unabhängigkeit Usbekistans (1991) ist die Gegend unrühmlich bekannt für ihre Gesundheitsgefährdung - Giftstoffe aus dem Baumwollanbau, die der Wind verweht: zu Menschen, Tieren und Pflanzen.
Der Fotograf ging für dieses Foto auf die Knie, in die Froschperspektive. Und lässt so einen der vielen kleinen Büsche, "meno di mezzo metro", fügt er ein, bis hoch in den rosigen Abendhimmel hineinwachsen. "Vita nell'arido", so betitelt er sein Foto in der Trockenzone. Und so verstehe ich seine Vision: der gequälten Kreatur Größe zurückgeben. Und Schönheit. Hommage eines visuellen Künstlers an die widerständige Natur in einer verschandelten Umwelt.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
Ja, möchte man meinen. Aber der Schein trügt. Tatsächlich, so erklärt mir Marco, braucht es ein geschultes Auge für die Wahl der Location und gelassene Geduld über Stunden wechselnder Licht- und Wetterverhältnisse, bis seine Kameralinse den besonderen Augenblick und Ausschnitt einfängt, die ein Landschaftsfoto in ein Kunstwerk verwandeln. Reine Magie, wie Marco sagt: "Un luogo dove la fotografia diventa pura magia".
Sein Wüstenfoto aus Ägypten, "Deserto Bianco", spricht "magische" Bände. Die Straßen des Sandes ("Le vie della sabbia") bleiben unversehrt, ohne Fußabdruck des Menschen.
Viele seiner Foto-Locations sind geplant, andere entdeckt der Fotograf spontan. In Wüstengegenden mit nur einer unbefestigten Hauptstraße und ohne ausgewiesene Seitenwege vertraut er einem ortskundigen Führer mit Jeep und Wetterinstinkt. Dennoch hat er schon in Sandstürmen erlebt, wie Zelte unter Sandkornbeschuss zusammenbrechen und Atemwege bedrohlich versanden können.
"Una foto minimalista", nennt Marco sein Dünen-Foto aus Namibia. Gigantische Sandformationen in der Wüste stellen ausgewachsene Bäume (Minimalgewächse am unteren Bildrand) regelrecht in den Schatten. "Ma il vero soggetto sono i colori", schwärmt der Fotograf von seinem Motiv. Die Farben sind's. Die frühe Sonne erhellt nur den vorderen Hang, der hintere liegt noch im Schattenreich. Licht- und Schattenseiten - ein Frage der Perspektive. Wie im Leben.
Auch in Chile spürt die Kamera vor Marcos Pionier-Augen eine Wüstenlandschaft auf, wo Nebelschleier seine Majestät Vulkan Licancabur umhüllen. Dass Fotograf Marco sich als Cercatore di sogni versteht - hier wird seine Traum-Suche ohne viel Worte evident:

Die Eisberge im Nordpolarmeer umschifft Marco mit Profi-Crews auf Eisbrechern. Und bringt fotografische Impressionen mit, die einen naturgewaltigen Lebensraum von seinen zwei Seiten zeigen - Schönheit und Bedrohung:
"Non voglio realismo. Voglio magia!"
Das ist Marcos Überzeugung als Fotokünstler. Und dies sind seine Lieblingsfotos:
Zwei Momentaufnahmen in kurzer Abfolge aus der Salar de Uyuni, der größten Salzpfanne auf Erden im Südwesten Boliviens. Hier trocknete ein prähistorischer See auf natürlichem Wege aus - so nimmt man an, schon vor 10.000 Jahren.
Die Sonne lugt über den Horizont mit einem schmalen Streiflicht in glühendem Orange. Wie eine unwirtliche gräuliche Mondlandschaft liegt die Salzkruste vor ihr. Im weiteren Aufstieg überzieht das Sonnenlicht die gesamte Fläche: Das Salz unserer Erde erwacht zum Leben. Eine fotografische Interpretation, kein Realismus.
Glück und Gunst und Geschick

- das sind die Zutaten für seinen Erfolg als Fotograf, verrät mir Marco. Glück mit seinen Wegbegleitern vor Ort und den Wetterprognosen hat er. Die Gunst seiner Kontakte im Netzwerk pflegt er. So etwa arbeitet er mit National Geographic zusammen, dem weltweit bekannten US-Magazin mit brillanten Fotografien zu erstaunlichen Geschichten. Geschick als Fotograf besitzt er. Und vermehrt es auf seinen Entdeckungsreisen zu fernen Ländern.
Existenzsichernde Einkünfte holt er sich als Fitnesstrainer in der Villa Aurelia. Und vertritt aus Überzeugung das Credo des Hauses, Menschen wegen der Gesundheit, aber auch wegen der Geselligkeit in den Club zu locken. Das schafft das heutige Event mit seiner Doppelnatur spielend: Pilates für die körperliche Wellness, Marco Surianis Fotokunst für einen regen Austausch der Besucher miteinander. Und noch ein Drittes: Torta della nonna in vier köstlichen Varianten - Kalorienausgleich für die verlorene Energie ;-)!
Trotz üppigen Kuchen-Büffets genügend Appetit
auf Marcos Fotokunst bekommen?
Dann folgt ihm doch auf Instagram: marco.suriani.
Dort bewahrt er seinen Foto-Schatz auf:
Und kaufen könnt ihr seine Bilder dort auch:
Kontaktiert ihn!





































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